Am Freitag habe ich für eine Untersuchung der LMU München ein Interview zum Thema ethische Führung gegeben. Ziel ist es über verschiedene Unternehmens/-Organisationsformen hinweg grundlegende Gemeinsamkeiten der ethischen Führung zu erkennen.

Was mir aufgefallen ist: ethische Führung wird häufig mit kooperativer bzw. konsensorientierter Führung gleich gesetzt. Diese Definition ist meiner Meinung nach ungenügend. Daran ist wahrscheinlich auch schuld, dass Ethik als Begriff eher mit “weichen” Weltverbesserern gleichgesetzt wird, die im Stuhlkreis realitätsfernen Utopien nachhängen. Ich würde den gleichen Inhalt eher als menschgerechter oder menschorientierter Führung umschreiben.

Ethische Führung hat für mich daher eher was mit einer inneren Grundhaltung zu tun. Und dabei spielen Werte wir Respekt, Transparenz, Vertrauen, Fairness, Authentizität, Nachhaltigkeit etc. eine Rolle. Diese Eigenschaften können sich aber in verschiedenen Führungsstilen z.B. wie einem autoritären oder einem partizipativen zeigen.

Welcher dieser Stile eingesetzt werden sollte, hängt vom Kontext und aktueller Situation ab. Einflussfaktoren sind dabei z.B. Art des Unternehmens (Startup oder Konzern), Bildungsgrad der Mitarbeiter, Tätigkeiten, Marktgegebenheiten, Wettbewerbssituation etc. In Krisensituationen ist z.B. deutlich mehr Geschwindigkeit bei der Entscheidungsfindung gefordert als bei der Entwicklung von z.B. Unternehmenswerten.

Aber auch Konsequenz und das treffen von harten Entscheidungen können durchaus ethisch. Entlassungen z.B. sind nicht per Definition unethisch. Der Kontext ist entscheidend. Wichtig ist aber die Unterscheidung zwischen Inhaltsethik und Prozessethik. Ist meine inhaltliche Entscheidung – unter Einbeziehung aller relevanten Dimensionen – ethisch vertretbar? Wie kommuniziere ich sinnvoll – also menschgerecht – in einer solchen Situation?

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