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Rezension: The Benevolent Dictator von Michael Feuer

Vor ein paar Tagen ist mir eine Vorab-Kopie von Michael Feuers Buch The Benevolent Dictator: Empower Your Employees, Build Your Business, and Outwit the Competition ins Haus geflattert. Ich habe eine Zugfahrt am Wochenende genutzt um das Buch zu lesen. Hier ein paar Eindrücke.

Wer ist Michael Feuer?

Michael Feuer kannte ich vorher gar nicht. Einen Eindruck bekommt man aber schon in den ersten Kapiteln. Laut Eigenbeschreibung hat Michael Feuer 1988 zusammen mit einem Partner und $20.000 eigenem Kapital OfficeMax gegründet. OfficeMax ist eine Kette für Büromaterialien. In 16 Jahren hat er sie zu einem “Imperium”  mit knapp 1.000 Filialen und einen Jahresumsatz von ca. 5 Milliarden Dollar ausgebaut. Im Jahr 2003 konnte er OfficeMax für fast 1,5 Milliarden Dollar verkaufen.

Nach einigen Jahren Beratung und anderen Tätigkeiten hat er in 2010 Max-Wellness gegründet. Ziel ist es einen neuartigen Wellness-Tempel aufzubauen. Mit seinem Buch “The Benevolent Dictator” will er sein unternehmerisches Wissen weiter geben.

Die Struktur von “The benevolent dictator”

Das Buch ist in die vier Phasen: “Start-up”, “Build out and put the idea to the test”, “Constant Reinvention” und “The Payday” gegliedert. Typische Phasen eines erfolgreichen Start-ups also. Jede Phase enthält verschiedene Kapitel bzw. “Lesson”. Insgesamt sind es 40. Bei den Lektionen geht es Tipps zu Funding, Recruiting, Motivation von Mitarbeitern, Produktivität, Selbst-Management, Wachstum, Exit-Strategien etc. Eigentlich alles was das Unternehmertum begehrt.

Unter den Lektionen sind Titel dabei wie: “You can’t live with ‘em – How to manage prima donnas, employees who think “it’s not their job”, and the perfectionists” oder “Don’t open the doors until the start-up passes the smell test – and don’t be afraid to call time-out just to be sure”. Eigentlich ganz interessant also.

Der Stil

Das Buch ist generell einfach lesbar geschrieben. Kurze prägnante Sätze und “normale” Sprache. Das gefällt mir. Die “Stories” und Anekdoten rund um OfficeMax und MaxWellness, die vor allem zu Anfang des Buches beschrieben sind, wirken auflockernd. In der Mitte des Buches wird es etwas dröger. Das liest sich zwar manchmal schneller und kommt direkt zum Punkt, bleibt aber nicht so anschaulich “hängen”. Beim Ende mit der Beschreibung des erfolgreichen IPO wird es wieder etwas emotionaler und es wird deutlich, dass Michael Feuer sichtlich stolz auf sich ist.

Die Lektionen wirken teilweise etwas lieblos aneinander gereiht. Das mag daran liegen, dass jede Lektion auch für sich alleine stehen soll. Ich glaube aber nicht, dass jemand ein solches Buch immer wieder als Ratgeber nutzt. Dafür bietet es zuwenig “Spezialwissen” (was ich auch nicht erwarte).

Was nervt: Einige der Aussagen im Buch kommen immer wieder vor. Teilweise nutzt Michael Feuer dabei auch identisches Wording bzw. Anekdoten. Ich hatte eine Vorabversion, diese Schönheitsfehler sind vielleicht in der Endfassung behoben.

Die Inhalte

Michael Feuer ist überzeugt, dass ein Unternehmer ein “wohlwollender Diktator” sein sollte. Dies wird im gesamten Buch deutlich. Sein Management-Stil ist provokant gesagt (in vielen Punkten) ein “My way or the highway”-Ansatz (auch wenn er das so nie bestätigen würde). Diskurs und gemeinsame Unternehmensgestaltung findet kaum statt. Arbeiten würde ich mit und bei ihm nicht gerne. Aber sein Stil und seine Methodiken waren sicher ökonomisch erfolgreich. Und – positiv formuliert – wissen bei ihm immer alle woran sie sind.

Für mich war inhaltlich nicht so viel Neues dabei. Sicher, einige Lektionen wie z.B. die Beschreibungen der Verhandlungstaktiken oder auch wie man Krisen übersteht (und z.B. Miete sparen kann) sind spannend. Außerdem gibt es auch eine Fülle konkreter Ideen und Tipps. Hier mal einige die herausstechen:

  • If you don’t ask you will never get. This applies to vendors, employees, and even bosses.
  • The word “no” is just a synonym for “maybe”. This realization led me to train my team to comprehend that the “no” you receive the first nine times is merely a disguised maybe – because the other guy is looking for a reason why not to proceed, or doesn’t understand what you’re asking. It’s only after the tenth time – when the other person hangs up on you or walks out of the room and slams the door – that “no” really means “no”.
  • You must always look at a new idea through the customer’s eyes – not just from an operator’s perspective.
  • The journey better be as much fun as the destination.
  • Always play by the “Mother Rule”: if you don’t want your mother to know you did something, don’t do it – because it is probably wrong.
  • Never fall in love with the underpinnings of your idea. Instead fall in love with the expected results that you might achieve. To put it more crudely, “Don’t drink you own bathwater.”
  • Know when enough is enough and it’s time to pull the plug on your project and pack it in.

Gut fand ich mal ein Buch zu lesen wo jemand Management-Techniken für den Handel beschreibt. Insbesondere die Bereiche über Führung, Kultur und HR sind auf andere Industrien – z.B. für Web-Startups – nicht so einfach übertragbar. Einen Programmierer muss man sicherlich anders steuern und motivieren als einen Kassierer im Geschäft. Aber genau dadurch wird wieder die Bedeutung des kontextabhängigen Führens (und Handelns im Allgemeinen) deutlich.

Das Fazit

The benevolent dictator ist ein ziemlich normales und durchschnittliches Buch über Entrepreneurship. Es will – natürlich – mehr sein; revolutionär mit neuen Einsichten. Diesem Anspruch wird es nicht gerecht.

Gut ist, dass mitunter sehr konkrete Tipps uns Tricks dabei sind. Die können für alle Unternehmer interessant sein. Für Unternehmer aus dem Handel sind vor allem die Steuerungsaspekte sehr konkret und sicherlich hilfreich. Insgesamt ist das Buch aber sowohl stilistisch als auch inhaltlich kein Meilenstein der Unternehmerliteratur, aber durchaus lesenswert.

Für mich habe ich wiedermal mitgenommen, dass Unternehmertum eine alte Kunst ist. Auch früher gab es schon erfolgreiche Unternehmer. Michael Feuer ist sicher kein “alter” Unternehmer, er verfolgt aber recht klassische Management-Methoden. Das ist gar nicht mal schlecht gemeint. Das Schöne ist, dass verschiedene Management-Stile zum Erfolg führen können.

Wer Interesse hat, hier geht’s zu Buch: The Benevolent Dictator: Empower Your Employees, Build Your Business, and Outwit the Competition

Meine Rezension von Delivering Happiness von Tony Hsieh (CEO von Zappos)

Ich habe mich sehr gefreut als ich im April ausgewählt wurde, eine Rezension über das heute erscheinende Buch “Delivering Happiness” von Tony Hsieh – CEO von Zappos - zu schreiben (siehe auch meine älteren Post über Tony Hsieh und Corporate Policies).

Während meiner Fahrradtour in den Alpen habe ich mir die Zeit für das Buch genommen. Und es hat sich gelohnt. Aber der Reihe nach.

Das Buch ist aufgeteilt in drei wesentliche Bereiche “Profits”, “Profits and Passion”, “Profits, Passion and Purpose”. Hier ein kurzer Abriss über den Inhalt und meine Meinung dazu.

Profits

Dieser Bereich enthält Geschichten und Anekdoten aus Tony’s Kindheit, Jugend und ersten Berufserfahrungen. Von seinen ersten Business-Ideen, über einen langweiligen Job bei Oracle, seinen finanziell erfolgreichen Exit bei LinkExchange bis hin zu seiner Zeit als Investor und schließlich als CEO eines seiner investierten Startups: Zappos.

Insgesamt bietet der erste Teil einen guten und kurzweiligen Einblick auf die Person Tony Hsieh. Die Anekdoten sind amüsant, teilweise etwas banal, erzählt.

Interessant fand ich den Vergleich zwischen Poker und Entrepreneurship runtergebrochen auf verschiedene Unternehmenbereiche. Sätze wie “The guy who wins the most hands is not the guy who makes the most money in the long run” klingen zwar nach Abreißkalender, können für Unternehmer aber sehr gut als begleitende Idee dienen. Den Weg zu kennen und den Weg zu gehen ist bekanntlich ein Unterschied.

Profits and Passion

Dieser Teil ist deutlich business-orientierter ausgelegt. Tony beschreibt die schwierige Anfangszeit bei Zappos. Beeindruckt hat mich, dass er letztendlich sein komplettes – beim LinkExchange-Exit verdientes – Vermögen (über 20 Mio. Dollar) in der Krisenzeit investiert hat um Zappos am Leben zu halten. Schließlich erfährt man wie und warum Zappos schließlich gewachsen und wie die Zappos eigene Wertekultur entstanden ist. Dabei gibt es immer wieder schöne Einschübe von Wegbegleitern und Original-Mails aus der Zeit, die den Lesefluss auflockern.

Die Story ist die amerikanische Bilderbuchgeschichte. Der erfolgreiche Millionär, der fast Pleite geht weil er sein gesamtes Vermögen auf seine Leidenschaft setzt, schafft es aber im letzten Moment und baut anschließend ein erfolgreiches eCommerce-Unternehmen mit über einer Milliarde Umsatz.

Zum Glück ist es nicht schwülstig, sondern durchaus authentisch geschrieben. Allerdings fehlt mir hier die Tiefe. An der ein oder anderen Stelle gibt es zwar Checklisten wie: “Top 10 ways to instill customer service into your company” oder ähnliches. Einen wirklichen Einblick wie man es macht bekommt man aber nicht. Das ist aber wahrscheinlich auch nicht die Idee des Buches.

Einen schönen persönlichen Touch erhält dieses Kapitel durch die Erfahrungen und Erlebnisse von Zappos-Mitarbeitern zu jedem der 10 “Core Values”. Auch wenn die Geschichten teilweise trivial sind, habe ich doch den Eindruck, dass die Werte dort wirklich verinnerlicht wurden.

Profits, Passion and Purpose

Im letzten Teil beschreibt Tony – durchaus authentisch – wie und warum sie der Übernahme durch Amazon zugestimmt haben. Für mich habe ich wenig Neues gefunden, da das meiste bereits auf dem Zappos-Blog veröffentlicht wurde und ich den Blog verfolge.

Das letzte Kapitel (“End Game”) ist Tony’s persönliche Mission oder sein “purpose”. Und das merkt man. Er möchte die Welt “glücklich” machen. Dazu hat er sich von seinem chronologischem und autobiographischem Erzählstil gelöst. Er beschreibt im Stile eines Sachbuches die neuesten Erkenntnisse der Glückswissenschaft. Dies war für mich der spannendste Teil, weil ich mich noch nicht wirklich mit der Glückswissenschaft auseinander gesetzt habe, die Konzepte aber durchaus einleuchtend finde.

Was bleibt?

Insgesamt finde ich “Delivering Happiness” ein gelungenes Buch. Der Leser bekommt einen guten Einblick in die Biographie von Tony Hsieh und eine Ahnung davon wie ein werte- und kulturorientiertes Unternehmen erfolgreich aufgebaut werden kann. Wie bei den meisten Büchern finde ich, es hätten auch einige Seiten weniger sein können (es sind insgesamt 244).

Wer als Unternehmer nun erwartet er bekommt praktische Tipps wie er z.B. seinen Kundenservice verbessern kann der wird sicherlich enttäuscht sein. Es ist kein Handbuch für Kundenservice oder werteorientiertes Management und will es auch gar nicht sein. Aber es ist ein gutes Beispiel dafür, dass Leidenschaft, Werte und Profite sich nicht widersprechen müssen.

PS: Eine Frage ist für mich während des Lesens unbeantwortet geblieben: Was ist mit Nick dem ursprünglichen Gründer von Zappos passiert? Oder habe ich das überlesen?

Hinweis: Zappos hat mir insgesamt vier Bücher zugeschickt. Drei werde ich in den nächsten Tagen verlosen.

Wer Interesse hat kann das Buch hier kaufen: Delivering Happiness